Maßarbeit für Schwergewichte
Das Anwendungszentrum in Rostock
Vor einem Jahr wurde in Rostock das »Anwendungszentrum für Großstrukturen in der Produktionstechnik« gegründet. Der Bund und das Land Mecklenburg-Vorpommern unterstützten die Gründung finanziell. Das Fraunhofer-Team unter Prof. Martin-Christoph Wanner war in Rostock schon länger tätig: Bereits 1992 war dort eine Projektgruppe des Stuttgarter Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA aufgebaut worden. Schwerpunkt der Arbeiten in der Rostocker Projektgruppe sind die Automatisierung und Fertigung von Großstrukturen - Bauteilen mit einem Volumen von mehr als zehn mal zehn mal fünfzehn Metern. Solche Mammut-Bauklötze werden im Stahlbau, auf Großbaustellen, im Schienenfahrzeug- und Schiffbau eingesetzt. Der Vorteil: Die riesigen Sektionen können vorgefertigt werden, auf der Baustelle muss man sie nur noch zusammensetzen. Das spart Zeit und Geld.
Mittlerweile arbeiten die Fraunhofer-Forscher zusammen mit den Ingenieurwissenschaftlern der Universität Rostock an einer ganzen Reihe von Projekten - die »Kostenoptimierung beim Positionieren von Sektionen im Schiffskörperbau« ist nur eines von vielen. Die Werften liegen Prof. Wanner allerdings besonders am Herzen: »Die Branche ist besser als ihr Ruf. Deutschland hat im Schiffbau einen hohen Weltmarktanteil bei anspruchsvollen Schiffstypen, wie zum Beispiel bei Passagierschiffen.« Zusätzlich unterstützt das Anwendungszentrum kleine und mittlere Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern bei der Qualitätssicherung, Betriebs- und Fertigungsorganisation sowie bei der Produktentwicklung.
Ganz langsam lässt der Kran das hundert Tonnen schwere Bauteil herunter - eine vorgefertigte Sektion mit Kojen, Toilette, Dusche und Bullaugen. Jetzt kommt es auf jeden Millimeter an: Die Sektion muss sich möglichst nahtlos an die schon zusammengebauten Schiffsteile fügen.
Schiffbau ist heute Maßarbeit. Für die Arbeiter auf der Aker MTW Werft in Wismar gehört der Umgang mit schwergewichtigen Sektionen zum Alltag. Ein Passagierschiff besteht aus mehreren Dutzend solcher Riesenbauteile, die eingepasst und verschweißt werden müssen. »Früher hat man die Teile einzeln ins Dock getragen und die Schiffe dort am Stück gebaut«, erklärt Prof. Martin-Christoph Wanner. »Mit dieser Bauweise wäre heute jedoch keine Werft mehr konkurrenzfähig. Der Kostendruck im Schiffbau ist enorm, da muss es schnell gehen. Indem die Werften einen Großteil der Vorarbeiten außerhalb der Docks erledigen, sparen sie Zeit und Geld.«
 

